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High-End Lautsprecher
Was für ein Ding. Als wollte Magnat die Welt langsam
darauf vorbereiten, zeigten die Rheinländer auf der
IFA 1999 noch ein fast handliches Labormuster. Doch
die endgültige Vintage 990, fertiggestellt im Herbst
2001, geriet zum Imposantesten, was in deutschen
Landen in Serie ging. Nicht, weil dieser
Lautsprecher 80 000 Mark kostet, sondern weil er bis
zur Halskrause voll mit unüblichen Lösungen,
allerfeinster Elektronik und herausragender
Chassis-Technologie steckt.
Aber der Reihe nach ? beziehungsweise von unten nach
oben. Schon seit Jahren baut Magnat den völlig
überdimensionierten Auto-Subwoofer Aggressor 6000.
Mit doppelter Zentrierung und weicher Einspannung
domestizierte die Entwicklungsabteilung den
60-Zentimeter-Bass für den HIFI-Einsatz. Trotzdem
hätte das Tiefton-Monster für eine optimale
Abstimmung mehr als 500 Liter Volumen verlangt ?
zuviel. Der federführende Entwickler Jürgen Falke
gab ihm aus ästhetischen Gründen ?nur? 200 Liter.
Macht nichts. Ein Aktiveinschub mit über 750 Watt
stellt für jede Lebenslage ausreichend Leistung
bereit und entzerrt seinen Frequenzgang auf 14
Hertz; mit Hilfe der Wände im Wohnraum erreicht er
sogar eine untere Grenzfrequenz von 10 Hertz! Dieser
Sub-Bass sitzt auf der Seite eines Gehäuse- Bunkers,
dessen Solidität und Verarbeitung einer solchen
Tiefton-Kanone wohl angemessen sind: Deckel und
Front bestehen aus verleimten MDF-Platten, insgesamt
zehn Zentimeter stark. Die übrigen Wände ? immerhin
auch noch 4 Zentimeter dick ? sind umfangreich
versteift. Mit Bass und Endstufe kommt ein Gewicht
von 180 Kilogramm zusammen. |
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Dieser Koloss mit
seinem Membrangewicht von über einem halben Pfund
spielt nur bis maximal 60 Hertz (Einstellbereich: 40
bis 60 Hertz); den Bass darüber übernimmt ein
30er-Tieftöner mit Metallmembran, der im oberen
Gehäuse sitzt. Auch er ist aktiv angesteuert und im
Frequenzgang entzerrt. Über den Pegel und die
variable Übergangsfrequenz zwischen den beiden lässt
sich der Bassbereich der Vintage 990 feinfühlig auf
jeden Raum einstellen. Ab 200 Hertz wird es dann
passiv. Der 17er-Mitteltöner und auch der Hochtöner
müssen von einer separaten Endstufe (oder einem
Vollverstärker mit Endstufenausgang) befeuert
werden. Wie ernst bei Magnat das Projekt Vintage 990
genommen wurde, belegt spätestens der Blick auf das
passive Netzwerk: Im Signalweg liegen ausschließlich
Flachband-Spulen und die quasi schwingungsfreien
M-Cap-Kondensatoren von Mundorf, mithin das Beste
und Teuerste, was der Weltmarkt hergibt. Das gilt
auch für die Chassis. Ist der Metallmembran-
Mitteltöner schon ein herausragend guter Vertreter
seiner Art, so ist der Hochtöner einzigartig. Dieser
Ringradiator vom Edel-Zulieferer Scan Speak ,
erstmals in der Vintage 990 im Einsatz, gilt nach
Ansicht namhafter Entwickler als der beste Hochtöner
überhaupt. |
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Und auch stereoplays
Messlaborleiter Peter Schüller hat noch nie einen
derart tadellos breiten und resonanzfreien
Hochton-Frequenzgang messen können. Diese Höhenperle
ist das adäquate Gegenstück zum 60er-Tieftöner: Ihre
obere Grenzfrequenz liegt jenseits der 40 000 Hertz.
Das Jahrzehnte währende Ideal eines
Übertragungsbereichs, der von 20 bis 20 000 Hertz
reicht (was über 90 Prozent aller Lautsprecher eh
nicht schafften), übertrifft die Vintage 990 damit
um mehr als zwei Oktaven! Das alles klingt technisch
faszinierend-überzeugend, aber wenn man vor der
Vintage 990 steht, ist man doch ein wenig
fassungslos. Ein solcher Lautsprecher-Trumm in
dieser doch eher design-orientierten Zeit. Shandro
Fischer, Chef der Entwicklungsabteilung und Spiritus
Rector des Projekts: ?Die Vintage 990 ist für uns
ein Technologie-Träger, auf deren Basis günstigere
Serien entstehen werden, wie bald die gehobene
800er-Linie.? Und wie eine der Stuttgarter
Nobelkarossen verlangt auch die große Magnat nach
einem superben Antrieb. Beide Bässe sind ja aktiv
und der Mittel-und Hochtöner mit ordentlichem
Wirkungsgrad gesegnet. Könnte da nicht vielleicht
eine dieser zwar wenig leistungs-, aber
klangfarbenstarken Röhren ans Werk? Lieber nicht.
Eine Box wie die Vintage 990 hört man einfach nicht
leise, weshalb auch für den Mittelhochtonbereich
Leistung gefragt ist. Obwohl die Vintage eine der
wenigen Superboxen ist, deren Klangbild auch bei
Niedrigstpegeln nicht auseinanderfällt, verführt
ihre ungebremste Bassdynamik zu relativ lautem
Hören. |
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Am Ende der Hörtests
waren die stereoplayer stets vom hohen Endpegel
überrascht. Überrascht auch, weil das lange Hören
nie müde machte. Im Gegenteil. Die Hör-Sessions mit
der Vintage 990 waren bereichernd. Weil sie
keinerlei Kompressionseffekte im Bass erkennen ließ.
Weil sie einen derart rabenschwarzen Bass
produzierte, dass die Tester erstmals die
aufwendigen Tiefton-Samples der Drum & Bass-Musiker
von Slide Five würdigen (ja, es gibt ein
musikalisches (Er-) Leben unter 20 Hertz) oder
Aufnahmefehler (versehentliches Türzuschlagen)
ausmachen konnten. Das alles klang beeindruckend
körperhaft, druckvoll. |
Und es machte
viel Spaß. Endlich einmal die Tiefbass-Sau
rauslassen, das Zwerchfell via Bass-Drum massieren.
Die Ausweitung des Frequenzspektrums bis 10 Hertz
scheint über Körper und Ohr die
Endorphin-Ausschüttung zu erhöhen und das
Klangempfinden abzurunden. Zumal die Magnat nicht
übertreibt: Sie sieht aus wie eine Boom-Box, ist
aber das genaue Gegenteil.
Nur selten war im stereoplay- Hörraum ein derart
kultivierter Bass zu hören: ultratief und ? bei
richtiger Einstellung ? absolut trocken. Doch das
liegt nicht allein an den superben Tieftönern. Ein
schneller Bass ist nur möglich, wenn auch die
Mittel-und Hochtöner von exzellenter Qualität sind ?
was bei Vintage 990 sofort hörbar der Fall ist.
Tonal gab sie sich nicht die kleinste Blöße. In der
Reinheit der Klavieranschläge und deren sauberem
Ausklingen spielte sie durchaus auf dem Niveau einer
B&W Nautilus 800 (8/01). Das Gleiche bei Stimmen:
Artikulation, Timbre, alles war da. Sie hat auch an
den Frequenzenden viel zu bieten. Der Bass ist schon
genug gewürdigt, nicht aber der Hochtöner:
Überragend die Leichtigkeit, mit der er die
Feinheiten aus den Aufnahmen pickte, einmalig die
Mühelosigkeit, selbst bei hohen Pegeln Details ohne
Schärfe exakt darzustellen. Das Percussionsspiel in
Monty Alexanders ?Hurricane Come And Gone? (?Caribean
Circle?, Chesky) hatte die Jury noch nie derart
feingezeichnet gehört. Der Scan Speak ist wirklich
der beste Hochtöner der Welt und der i-Punkt auf
einer eigenwilligsuperben Lautsprecher-Konstruktion.
Die Kollegen in der Redaktion haben mich wegen
meines Faibles für diese Box belächelt. Mit 40 000
Euro ist dieses Ungetüm die zweitteuerste je bei
stereoplay getestete Superbox. Und dennoch halte ich
sie für eine der reellsten. Denn an der Vintage 990
ist absolut kein Voodoo, sondern ausschließlich
feinste Technik, die sich nachvollziehbar auf diesen
Preis summiert. Der Versuch, bisherige Hörgrenzen zu
überwinden, ist Magnat mit der universellen Vintage
990 jedenfalls höchst überzeugend gelungen.
Bron
www.hifi-schluderbacher.de |
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Pagina uit HVT januari 2003 |
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PDF file in
Duits over de 990
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